Pressemitteilung

Jongen: „Erlöst und vernichtet in einem“ – der 8. Mai eignet sich nicht als Feiertag

Berlin, 7. Mai 2020. Am 8. Mai 2020 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Zerschlagung des nationalsozialistischen Gewaltregimes zum 75sten Mal. In diesem Zusammenhang hat sich eine Diskussion darüber entsponnen, ob der 8. Mai – als „Tag der Befreiung“ – das Potential zum Feiertag hat. Der kulturpolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Dr. Marc Jongen, äußerte sich hierzu wie folgt:

„Der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, deutete den 8. Mai 1945 als ,tragischste und fragwürdigste Paradoxie für jeden von uns‘, weil die Deutschen ,erlöst und vernichtet in einem gewesen‘ seien. Heuss sprach von ,Paradoxie‘, nicht aber von ,Befreiung‘, und das mit gutem Grund. Erlöst waren die Deutschen – und die Welt – vom verbrecherischen Regime der Nationalsozialisten und von dem ,totalen Krieg‘, den diese entfesselt hatten; in der Zeit von 1945 bis 1949 wurden viele Deutsche aber weiterhin Opfer von Internierungen und Vertreibungen, von Lynchjustiz, Vergewaltigungen und Zwangsverschleppungen. Schon der Respekt und die Pietät ihnen gegenüber verbietet es, den 8. Mai zum Feiertag zu erheben.

Richard von Weizsäcker hat in seiner vielzitierten Rede zum 8. Mai im Jahr 1985 die unzähligen deutschen Opfer von Krieg und Nachkriegszeit ausdrücklich mit einbezogen, als er betonte, dass ,wir als Deutsche‘ ,in Trauer‘ auch ,der eigenen Landsleute, die als Soldaten, bei den Fliegerangriffen in der Heimat, in Gefangenschaft und bei der Vertreibung ums Leben gekommen‘ seien, gedenken. Diejenigen, die seine Rede allein auf den Aspekt der Befreiung engzuführen versuchen, blenden diese Passagen in der Regel aus. Sie passen nicht in die immer dominanter werdende Erzählung, dass Deutsche stets nur Täter, niemals Opfer gewesen seien oder werden könnten.

Wenn das rot-rot-grün regierte Berlin als einziges Bundesland den 8. Mai als Feiertag begeht, dann folgt es dem Vorbild der DDR, die diesen zum ,Tag der Befreiung‘ erklärte – ein durchsichtiger Versuch des SED-Staates, die eigene Unfreiheit zu kaschieren. Wer heute in pauschalisierender Weise die Befreiungsrhetorik bedient, muss wissen, in welch zweifelhafte Tradition er sich damit stellt.

75 Jahre nach Kriegsende gilt es, die Ambivalenz der Geschichte auszuhalten und die drohende Ausrichtung unserer Erinnerungskultur an falschen und gefährlichen Simplifizierungen abzuwenden. Denn, so der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1995 in seiner Ansprache in Dresden, ,man kann weder Ruhe noch Versöhnung finden, wenn man sich nicht der ganzen Geschichte stellt‘.“

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