Bundeszentrale lässt Erinnerungsort „Landshut“ scheitern
Bundeszentrale lässt Erinnerungsort „Landshut“ scheitern
Berlin, 15. Oktober 2026. Für die Ausstellungshalle des „Lernorts Landshut“ in Friedrichshafen hat sich der Bund bis zum Jahr 2039 zu Miet- und Nebenkostenzahlungen in Höhe von insgesamt 11,1 Millionen Euro verpflichtet. Die 1977 von palästinensischen Terroristen entführte Lufthansa-Maschine soll dort jedoch zunächst nur sechs Monate lang, von Oktober 2027 bis April 2028, ausgestellt werden. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor (BT-Drs. 21/7863). Dazu erklärt der haushaltspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Michael Espendiller:
„Elf Millionen Euro Miete für sechs Monate Ausstellung: Das ist die teuerste leere Halle der Republik. Allein für den Leerstand nach der Ausstellung nennt die Bundesregierung selbst 8,15 Millionen Euro.
Dabei wollte der Bundestag eine dauerhafte Ausstellung, und das Geld wäre da. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat einen Etat von über 100 Millionen Euro, könnte nach Auskunft der Regierung umschichten und hat zusätzliche Mittel nicht einmal angemeldet. Für ein Computerspiel zur Ausstellung reichte es dagegen: 365.000 Euro.
Der Erinnerungsort gehört aus der Bundeszentrale heraus und in den Kulturetat, bezahlt aus dem Geld, das heute schon im Etat der Bundeszentrale liegt.“
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Sascha Lensing, Mitglied des Innenausschusses, erklärt dazu:
„Die Entführung der Lufthansa-Maschine ‚Landshut‘ am 13. Oktober 1977 durch palästinensische Terroristen sollte die Freipressung inhaftierter RAF-Terroristen erzwingen. Flugkapitän Jürgen Schumann wurde ermordet. Im kommenden Jahr jähren sich diese Ereignisse zum 50. Mal. Die Erinnerung an die Opfer des Terrorismus und an die Befreiung der Geiseln verdient einen dauerhaft zugänglichen, würdigen Ort.
Gerade den ehemaligen Geiseln und den Angehörigen der Opfer muss der Bund erklären, weshalb für einen dauerhaften Betrieb bislang keine verlässliche Perspektive besteht, obwohl langfristige Mietverpflichtungen eingegangen wurden.
Die Entführung der ‚Landshut‘ und der Terror der RAF gehören zu den einschneidenden Ereignissen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der damalige Staat hat sich nicht erpressen lassen. Die erfolgreiche Befreiung der Geiseln durch die GSG 9 steht bis heute für die Handlungsfähigkeit unseres Rechtsstaates im Kampf gegen den Terrorismus.
Ein Erinnerungsort muss deshalb mehr sein als eine zeitlich begrenzte Ausstellung. Er sollte die Geschichte des Terrorismus in Deutschland, das Leid der Opfer und die Bedeutung eines wehrhaften Rechtsstaates dauerhaft vermitteln.
Die Bundesregierung sollte noch vor Abschluss der Haushaltsberatungen für 2027 ein konkretes Konzept vorlegen, das Trägerschaft, Finanzierung und Nutzung der Halle über April 2028 hinaus verbindlich klärt. Wer Erinnerungskultur ernst nimmt, muss auch ihre dauerhafte Finanzierung sicherstellen.“
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