Antrag

Einrichtung einer unabhängigen Beratenden Gustav-Nachtigal-Kommission für Kulturgut aus kolonialem Kontext

Berlin, 27. September 2022. Kulturgut aus kolonialem Kontext, das deutsche Museen im Einklang mit geltendem Recht erwarben und dass die gemeinsame Geschichte einstiger Kolonien und Kolonialstaaten repräsentiert, droht heute eine ungewisse Zukunft, da sich seitens der Bundesregierung zunehmend die Strategie verfestigt, solches Kulturgut in großem Umfang an die Nachfolgestaaten ehemaliger Kolonien zurückgeben zu wollen. Im Fall der geplanten Rückgabe von Sammlungsgut aus dem historischen Königreich Benin soll beispielsweise eine Eigentumsübertragung nahezu aller sich in deutschen Sammlungen befindlichen Artefakte aus dieser Zeit ohne alle Bedingungen erfolgen (Bundestagsdrucksache 20/481, Antwort auf Frage 9, S. 6). Dieser beabsichtigten Rückgabe kommt deshalb besondere Bedeutung zu, weil sie laut Aussage des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Prof. Dr. Hermann Parzinger, ein „Pioniermodell mit dem Umgang der geraubten Kunst aus der Kolonialzeit“ darstellt (vgl.: https://www.auswaertiges-amt.de/en/newsroom/news/museum-cooperation-nigeria/2489498; letzter Abruf: 15. Februar 2022). Wird die Rückgabe von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin in dieser Form Realität, drohen deutschen Museen umfassende Rückgabeforderungen von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Dass mit derartigen Rückgaben auch die jahrzehntelange aufwendige kuratorische Arbeit deutscher Museen zunichte gemacht werden würde, sei hier explizit betont. 

Nach Auffassung der Antragsteller gibt es gangbare Alternativen zu einer Rückgabe dieses Sammlungsguts, die seitens der Bundesregierung zur Geltung zu bringen sind. Restitutionsansprüche, für die es keinerlei „Anspruchsgrundlage“ mehr gibt (WD, Koloniale Raubkunst. Sachstand, WD 10-3000- 005/21, 2021, S. 20), sind bis auf wenige begründete Fälle abzuweisen. Begründete Fälle liegen dann vor, wenn das entsprechende Artefakt von hoher symbolischer Bedeutung für die kulturelle Identität des Herkunftslandes ist und von diesem mit einer Provenienzrecherche einer anerkannten Institution nachweislich als Raubgut nachgewiesen werden kann. Rückgabeforderungen ist mit dem Angebot befristeter, in den Herkunftsländern „zirkulierender“ Leihgaben zu begegnen, die SPK-Präsident Prof. Parzinger als „Weg in die Zukunft“ bezeichnet hat (vgl. Vorpahl, Frank: Der Schatz des Priamos – Wem gehört das Gold von Troja? Fernsehdokumentation von 3sat und ZDF 2022. Abgerufen am 19. Januar 2022 um 13.03 Uhr unter https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/der-schatz-des-priamos100.html; letzter Abruf: 16. Februar 2022).

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